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3. Liga, 10. Spieltag
Spieldatum: 23.09.2015, 18.00 Uhr

VfL Osnabrück - SC Preußen 2:2 (1:1)

Aufstellung VfL Osnabrück
Schwäbe - Falkenberg (Bleker 67.), Pisot, Willers, Dercho (Kandziora 86.) - Ornatelli, Groß, Syhre (53. Chahed), Hohnstedt - Alvarez, Savran
(Trainer: Joe Enochs)
Aufstellung SC Preußen
Lomb - Kopplin, Heitmeier, Pischorn, Müller - Bischoff, Laprevotte, Schwarz (Wiebe 89.) - Hoffmann (Özkara 76.), Kara - Reichwein (Krohne 69.)
(Trainer: Loose, Ralf)
Tore: 1:0 Alvarez (7.), 1:1 Hoffmann (24.), 1:2 Willers, Eigentor (90.), 2:2 Savran (90.+2)
Gelbe Karten: Alvarez / Müller
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Zuschauer: 8590, osnatel-Arena
Spielbericht: Was für ein Derby... Es gab wohl selten Spiele, die weniger mit dem Sport als mit dem Drumherum zu tun hatten.

Die Ansetzung

Wochenspieltag, das ließ sich wohl nicht ändern. Aus Sicherheitsgründen wurde die Partie schon von 19 Uhr auf 18 Uhr vorverlegt. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hatte per Brief an DFB-Präsident Wolfgang Niersbach um eine Verlegung des Derbys gebeten. Daraus immerhin wurde nichts. Aber es sollte eben früher angepfiffen werden, um wenigstens das Spiel weitgehend bei Tageslicht durchführen zu können.

Die Zuschauer

Weil die Panik vor Krawallen praktisch täglich wuchs und die Horrorszenarien immer größer wurden, entschieden sich Sicherheitsbehörden, Verbände und Klubs letztlich für ein bislang einmaliges Vorgehen: Erstmals im deutschen Fußball sollten in beiden Derbys zwischen den Vereinen Gästefans außen vor bleiben. Keine Tickets für Münsteraner in Osnabrück und vice versa.
Das Derby selbst wollten dann nur 8590 Zuschauer sehen - so etwas wie ein Minusrekord für die Derbys in der 3. Liga. Sicher eine Folge der frühen Anstoßzeit, der Berichterstattung über Ausschreitungen und der besonderen Situation ohne Gästefans. Und natürlich hatte Osnabrücks überschaubarer Saisonstart nicht für übermäßig viel Euphorie gesorgt. Dennoch ein trauriger Anblick.
Die Stimmung im Stadion wurde noch mäßiger, weil die Osnabrücker Ultras einen weitgehenden Support-Boykott angekündigt hatten. Ein Protest gegen den Ausschluss von Gästefans in den Derbys. So blieb es auch im Stadion phasenweise still wie bei einem Testkick.

Der Protest

Das Fanprojekt des SC Preußen Münster rief zu einer Demonstration gegen den Ausschluss von Gästefans auf. Die sollte am Tag des Spiels in Osnabrück stattfinden und eigentlich auch an der Osnabrücker Arena vorbeiführen. Mittwochs das Spiel, aber am Montag kam die Nachricht: Sicherheitsbehörden hatten den Marsch untersagt. Grund: Natürlich Sicherheitsbedenken. Gegen die Entscheidung ging das Fanprojekt im Eilverfahren vor - und bekam am Dienstag Recht. Nun also doch eine Demo, allerdings mit geänderter Streckenführung. Die Stadt Osnabrück legte Beschwerde dagegen ein und die Sache landete noch am Mittwoch beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Das entschied am Mittwochnachmittag, die Demo selbst zu untersagen, eine Kundgebung am Osnabrücker HBf allerdings zuzulassen. Etwa 350 bis 400 Preußenfans versammelten sich dann gegen 17 Uhr vor dem Hauptbahnhof - viele erfuhren erst dort, dass die Demo selbst nicht möglich sein würde. Das Areal um den HBf glich da schon einem Ausnahmezustand: Hundertschaften, Wasserwerfer, Einsatzfahrzeuge überall. Ein Heer von Polizei - und eine völlig friedliche Veranstaltung. Mangels Motivation endete die Kundgebung allerdings nach knapp 30 Minuten.

Das Spiel

Zum Sport... Der VfL begann druckvoll, Münster kam in der ersten Viertelstunde gar nicht auf Betriebstemperatur. Der VfL störte früh, gewann die Zweikampfe, war mehr Leidenschaft ins Spiel. Und ging durch einen wunderbaren Freistoß von Alvarez in Führung. Münster reagierte und traf praktisch mit dem ersten Torschuss direkt zum 1:1. Niemand stopper Philipp Hoffmann, der zog aus 20 Metern einfach ab und traf links oben ins Toreck - ein ebenso toller Treffer. Anschließend bekam Münster die Partie klar in den Griff. Die Preußen spielten einen richtig guten Fußball, ließen den Ball laufen, der VfL kam überhaupt nicht mehr ins Spiel. Münster jetzt klar besser, aber ohne eigene Torchancen. So ging es in die Pause.

Nach der Pause zunächst ein ähnliches Bild. Die Preußen hatten das Spiel im Griff, aber insgesamt fehlte wie in allen Preußen-Partien der kompromisslose Zug zum Tor. Und so verflachte das Spiel, beide Teams begannen sich mit dem Unentschieden anzufreunden.

Bis in die Schlussphase blieb es dann beim 1:1, ehe Amaury Bischoff einen Schuss Richtung Osnabrücker Tor ansetzte, den Tobias Willers so abfälschte, dass der SCP nach 89 Minuten plötzlich 2:1 führte. Drei Punkte für den SCP? Mitnichten.
In der zweiten Minute der Nachspielzeit bekam der SCP nach einem Eckball den Ball nicht energisch aus dem Strafraum, aus dem Gewusel traf Savran tatsächlich noch zum 2:2. Mit dem Tor pfiff Schiri Dankert das Spiel ab - das ging im Osnabrücker Jubel völlig unter. Der NDR-Reporter mutmaßte einen Spielabbruch, weil plötzlich das Spielfeld voller Betreuer und Ersatzspieler war.

Die Nachspielzeit...

Nach dem Ausgleichstor wurde es spannend: Torschütze Savran jubelte kurz vor der eigenen Kurve mit den Osnabrückern, raste dann in Richtung Bischoff. In seinem Schlepptau stürzte Tom Christian Merkens hinterher. Der verletzte Spieler, der nicht im Kader stand, war zunächst zu Savran gerannt, dann hinter ihm her. Gemeinsames Ziel: Amaury Bischoff. Schon nach dem 1:0-Treffer hatte Torschütze Alvarez mit einem Merkens-Trikot posiert - natürlich ein Statement und auch eine Provokation gegen Münster und Bischoff insbesondere. Und auch Savran wollte noch ein paar böse Worte gegen Bischoff loswerden. Der wiederum hatte nach Ansicht der Osnabrücker nach seiner Tor-Vorlage zum 2:1 provokant vor der Osnabrücker Bank gejubelt. Eigentlich ein gewaltiger Kindergarten, aber so ist Fußball manchmal. Savran stand jedenfalls gestikulierend vor Bischoff, als Merkens heranraste und ohne weiteres Gedöns Bischoff umstieß. Der fiel theatralisch zu Boden, ließ sich lange behandeln, während Merkens sich klammheimlich aus dem Staub machen wollte. Schiris, Betreuer, Preußenspieler und auch Sportvorstand Carsten Gockel verfolgten Merkens bis auf die VIP-Tribüne, wo der verletzte Spieler mit Polizeiunterstützung erst einmal dingfest gemacht wurde... Szenen, die man so selten sah. Unfassbar eigentlich.

Die Polizei stellte sich noch in der Preußenkabine vor, holte eine Aussage von Bischoff ein - es ging um den Verdacht der Körperverletzung. Der VfL veröffentlichte tags darauf eine Stellungnahme und verwies darauf, dass man das Verhalten von Merkens nicht dulde, er aber durch eine Arbeitskarte sehr wohl berechtigt gewesen sei, das Spielfeld zu betreten. Vorsorglich nennt man das wohl, denn eigentlich hätte Merkens da nichts zu suchen gehabt. Auch der DFB wollte wohl nicht erneut ein Exempel statuieren und ließ durchblicken, dass man Merkens sehr wohl als Spieler werten werde. Die Strafe dürfte damit überschaubar ausfallen.

Die Begleitumstände dieses Derbys: Unwürdig.


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